12.00 Nachdem der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission W. Tschurow angekündigt hatte, sich alle Videos von den Wahllokalen anzuschauen, trank Oleg Schein öffentlich ein Glas Saft.
Er bezeichnete dies als ein Entgegenkommen seinerseits, weigerte sich aber nach wie vor, den Hungerstreik abzubrechen. Zusammen mit Schein befinden sich momentan 20 Menschen im Streik, 3 von ihnen hungern vom ersten Tag an. Sie verlangen, dass die Ergebnisse der vergangenen Bürgermeisterwahl für ungültig erklärt und eine faire, transparente Ermittlung der Wahlfälschungen durchgeführt wird.
13.00 Oleg Schein schreibt: "Heute morgen hat Sergej Mironow W. Tschurow angerufen. Dieser hat sich bereit erklärt, gemeinsam mit uns und der Generalstaatsanwaltschaf die Videos aus den Wahllokalen auszuwerten. Als Zeichen meiner Bereitschaft zur Zusammanarbeit habe ich einen Becher Orangensaft getrunken. Dies bedeutet kein Ende des Hungerstreiks, lediglich eine Milderung.
Der Saft, wohlgemerkt, hat mich ziemlich niedergeschlagen. Trunkenheit und Schwindelgefühle. Deshalb werde ich vermutlich nicht selbst zur Auswertung nach Moskau fliegen, sondern einen Vertreter hin schicken.
Das ganze Stadtzentrum ist von der Polizei gesperrt, Hunderte von Polizisten. Um von unserem Wahlstab zum Gebäude der Regionalduma zu gelangen, mussten wir durch 4 (!) Polizeisparren hindurch. Dabei sind wir in der Sowjetskaja-Straße 8 und die Duma befindet sich in derselben Straße, Hausnummer 12.
http://oleg-shein.livejournal.com/625287.html
16.00 Astrachan jetzt:
Fotos des Tages von Jewgenij Feldmann:
Und noch mehr:
http://www.novayagazeta.ru/photos/52091.html
18.00 Oleg Schein schreibt in seinem Online-Tagebuch: "Ich korrigiere mich: ich werde doch ohne Saft auskommen müssen.
Heute Morgen, im Glauben, dass die Aussage von Wladimir Tschurow (seine Einverständnis, sich die Videos anzusehen) ein Schritt der Versöhnung seitens der Regierung ist, habe ich mich bereit erklärt, den Hungerstreik zu lindern und trank einen Becher Saft.
Ich habe mich geirrt. Meine Geste ist nicht als Geste der Offenheit, sondern als ein Zeichen von Schwäche wahrgenommen worden. In der ganzen Stadt sind Polizei-Patrouillen, Aktivisten werden festgenommen, wenn sie Flugblätter verteilen; Tschurow sagte mir am Telefon, das Video würde er sich zwar anschauen, teile aber grundsätzlich die Meinung des Herrn Iwlew (Regionale Wahlkommission). Am Samstag wollen Schilkin und Stoljarov erneut Staatsbedinstete zu einer Demo gegen uns zusammen treiben und Leute aus den umliegenden Dörfern mit Bussen in die Stadt bringen. Die allererste "Demo" dieser Art, möchte ich Sie erinnern, endete mit einem Fiasko, da ihre Teilnehmer (mit Ausnahme von Naschisten) auf unsere Seite wechselten.
Das heißt, anstatt des Dialogs und der Verhandlungen wird der Kurs auf Konfrontation fortgesetzt. Also werde ich persönlich ohne Saft auskommen müssen, solange Tschurow das Video nicht sieht, von dem die Rede ist. Ab morgen werden wir es ins Internet stellen - Stück für Stück.
Astrachan ist kein Gefangenenlager, und auch nicht Chasarenkaganat."
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen