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Mittwoch, 11. April 2012

News von den Hungerstreikenden in Astrachan. Der 11. April

Oleg Schein, seit 28 Tagen im Hungerstreik.
12 Uhr, ein Treffen mit Journalisten. O. Schein erklärt, die Hungernden seien bereit, Säfte zu sich zu nehmen sobald die Zentrale Wahlkommission beginnt, die Videoaufnahmen von den Wahllokalen auszuwerten. "Wir haben sie immer noch nicht, dem Zentralapparat unserer Partei gelang es bisher, gerade mal vier Videos von der Webseite der ZWK herunterzuladen, die Website ist extrem langsam und bleibt zu oft hängen.
Bis auf Weiteres wird der Hungerstreik fortgesetzt.
13.00, eine Ärztin nimmt den Streikenden Blutzuckerproben ab, sie entsprechen der Norm von 4 bis 5 Einheiten, oder liegen sogar darüber. Sie erklärt, nach dem anfänglichen Shock schalte sich der Körper auf Sparflamme um und verbrauche die eigenen Reserven. Am schwierigsten sei der 2.-3. und der 10-12. Tag des Hungerns.
Derweil haben Protestierende und Unterstützer auf dem Rasen der Grünanlage vor dem Gebäude ihre Liegematten und Matrazen ausgebreitet. In der Nähe stehen Polizisten, doch sie schreiten nicht ein.
Am kommenden Samstag ist in Astrachan eine Kundgebung für faire Wahlen geplant. Was bis dahin passieren soll, wisse man nicht, erklärt Schein, es gäbe keinen konkreten Plan.
Es wurden aber schon Zelte eingekauft, um ein Zeltlager aufzuschlagen. Und immer mehr Unterstützer aus anderen Städten treffen in Astrachan ein.
14.30 In der Nähe des Wahlstabs steht ein Bus mit "Nashi"-Mitgliedern. Die Astrachaner haben  inzwischen gelernt, sie zu erkennen: jeder von ihnen hat ein iPad, sie filmen ununterbrochen, sowohl versteckt als auch offen, sind zudringlich, versuchen, die Streikenden zu provozieren. Die Polizei reagiert nicht. Der Politaktivist Ilija Jaschin verliert die Nerven und es kommt zu Handgreiflichkeiten zwischen ihm und einem der "Naschisten". Beide werden abgeführt, bald aber wieder frei gelassen.
15.30 Ein Kamerateam spricht Schein an: "Der Gouverneur Schilkin sagt, er lasse Sie nicht verhungern, er würde notfalls selbst kommen und Sie aus der Hand füttern. Würden Sie dann Essen zu sich nehmen?" Darauf sagt Oleg Schein, er wolle nicht gefüttert werden, erwarte aber sehnlichst den Besuch von Schilkin, denn er wolle ihm "Kino" zeigen. Gemeint sind die Videos aus den Wahllokalen.
 15.40 Sergej Mironow (Vorsitzender von Gerechtes Russland) sagt, er habe nun die kompletten Videoaufnahmen erhalten. Oleg Schein weiß noch nichts davon.
16.00 Briefing mit der Presse, Schein sagt, er gehe davon aus, dass Putin und Tschurow in die Irre geführt und falsch informiert seien. :-/ Er machte die Lokalbehörden für die Verstöße verantwortlich, erzählte von Wahlbeobachtern, die bei der Auszählung nicht an die Stimmzettel herangelassen wurden, von verprügelten Aktivisten etc.
16.25 Dmitrij Gudkow (Gerechtes Russland) und Alexej Nawalny gehen in die Technische Universität Astrachan, um sich mit den Studenten zu treffen.
16.40 Der Gouverneur Schilkin sagt den Journalisten, er sei bereit, Oleg Schein einen Ministerposten anzubieten. Schein antwortet ebenfalls über die Journalisten: "Der Sinn des Hungerstreiks besteht nicht darin, eine Anstellung für mich zu kriegen, dazu bin ich auch ohne Schilins Hilfe schlau genug. Wir wollen den Menschen freie Wahlen zurück geben."
18.07 Ilja Jaschin ist ohne Anklage wieder auf freiem Fuss.

Es wird erwartet, dass der Zeltlager morgen auf der sogenannten Kirow-Grünanlage gegenüber vom Wahlstab aufgebaut wird. 

http://www.novayagazeta.ru/news/55892.html

P.S. Am späten Abend geschieht etwas, womit kaum einer gerechnet hat. Es kommt ein LKW mit Wassertank und übergießt die Grünanlage mit einigen Tonnen heißen Wassers. Der Rasen verwandelte sich in einen Sumpf, die Erde dampft.

So sieht dieser Ort jetzt aus:

 

Was die Protestierenden  nun unternehmen wollen, ob sie sich jetzt Schlauchboote statt Zelten anschaffen wollen, ist bisher nicht bekannt... ;)

http://www.novayagazeta.ru/news/55916.html



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