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Samstag, 25. Februar 2012

Putins "Vertraute". Teil I


            
Ich werde für einen Menschen stimmen, der nicht nur mir persönlich geholfen hat, er hat auch … vielen Menschen geholfen, er hat der Kultur geholfen... Ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass er sein Wort hält, und ich bin Wladimir Putin sehr dankbar, dass er das Konzept meines neuen Theaters der Nationen unterstützt hat. Er kann zuhören!
Jewgenij Mironow, Schauspieler und Intendant

 
Als ich etwa 1999 meinen Pass an einer amerikanischen Passkontrolle vorzeigte, fühlte ich mich so behandelt, als ob mir keine Achtung zusteht. Ach so, Russland. Dass hat sich seit einiger Zeit verändert. Ein Präsident muss eine gewisse Haltung haben, damit man mit seinem Land rechnet, ich weiß nicht, ob aus Furcht oder aus Respekt, aber jedenfalls rechnet.
Walerij Gergiew, Dirigent

Der Wahlstabchef und Filmemacher Goworuchin setzte in dieser Präsidentschaftskampagne vor allem auf prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich zu Putins „Vertrauten“ erklären und vor laufender Kamera erzählen, warum sie für Putin stimmen werden. Die volle Liste dieser Vertrauten ist hier anzusehen, 499 Namen stehen darauf. Viele liberal Gesinnte waren brüskiert, als sie neben Popsängern und Militärs Namen wie Gergijew, Piotrowski oder Tabakow fanden. Dabei sind auch die Prominenten unterschiedlich involviert: Einige stehen auf der Liste, kommen aber in den Werbespots nicht vor, wie z. B. Andrej Arschawin und Anna Netrebko. Der Fußballprofi und die  Operndiva lassen sich selten in Russland blicken.
An der kargen Argumentierung, die man bisher von "Naschi"-Aktivisten kannte, änderte  der Einsatz der Intellektuellen  nichts.
 
Man sieht den genialen Oleg Tabakow, wie er sich einen zusammenstammelt:
"Ich stimme für Wladimir Wladimirowitsch Putin. Er ist der Mann, der die reale Lage kennt. Er will... gut sein! Er schuftet – ehrlich... nicht immer – aber ehrlich! Er kann es!"
In einem darauf folgenden Interview für das Radio Freies Europa bekommt er es etwas eloquenter auf die Reihe:
"Als Putin und Medwedew angekündigt haben, einfach die Plätze tauschen zu wollen, waren viele angewidert. Fanden Sie die Situation nicht peinlich?
Nein, denn es geht nicht um Formen. Ich sage noch einmal, unter den Personen, die zugelassen sind, kann einfach keiner es ernsthaft mit Putin aufnehmen. In den Bewertungen wie "zufrieden / unzufrieden / angewidert" gibt es für mich ein großes Maß an Dilettantismus. Ich bin einer von den Menschen, die viel Arbeit leisten, damit jene, die sich in meiner Obhut befinden, besser dran sind. Verstehen Sie meine Logik? MAT ist vielleicht das einzige Theater, das einen monatlichen Zuschuss für jedes Kind bietet, zum Beispiel. Das Theater hilft seinen Mitgliedern im Notfall, zahlt für die Behandlung. Gerade jetzt wird ein Schauspieler in Deutschland behandelt, dafür kommt das Theater auf.

In den 113 Jahre seines Bestehens ist das Theater zum ersten Mal mit modernster Technik ausgerüstet worden, kein Staatsoberhaupt zuvor hat das für uns getan. Putin schon. Meine Großmutter hat mich gelehrt, Gutes nicht zu vergessen.

Was hat das denn mit Putin zu tun?

Ich erklärte schon so gut ich konnte, was das mit Putin zu tun hat. Es ist wichtig, dass in der Zeit, in der ich das Theater führe, das Gehalt der Schauspieler um das Achtfache gewachsen ist. Das Theater war früher zu 40-42 Prozent gefüllt. Heute sehe ich die Leute bei 20 Grad Kälte für Karten anstehen. Das heißt, selbst im korrupt
esten System kann man daran arbeiten, dass es den Menschen zumindest einigermaßen besser geht!"

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